Es war ein gewöhnlicher Tag, als wir einen Anruf von einer Seniorin erhalten. Sie hatte einen Herzinfarkt erlitten und benötigt Hilfe. Ihre Tochter lebt in Norwegen und kann nur sporadisch vorbeikommen. Sie ist allein, hat ihr ganzes Leben lang für andere gesorgt – erst für ihre Mutter, dann für ihren Mann – und nun ist sie selbst auf Hilfe angewiesen.
Meine Lebenspartnerin zögerte nicht. Sie begann sich sie zu kümmern. Unsere Beziehung wächst schnell über die reine Hilfeleistung hinaus. Wir nahmen sie in unsere Familie auf und sie wurde ein Teil unserer Familie, ein Teil unseres Lebens.
Unser Kind, ein musikalisches Wunderkind, nimmt sie mit zu Weihnachtskonzerten. Sie lädt uns zum Kaffeetrinken ein und wir verbringen viele Nachmittage zusammen, plaudernd und lachend. Sie treffen sich einmal in der Woche, um alles zu erledigen, was anfällt – von Fahrten zur Klinik in Chemnitz bis hin zur Pflege ihres Balkons. Sie lebt in einer Wohnung über zwei Etagen, die viel Pflege benötigt.
Aber das Schönste an dieser Beziehung ist das gemeinsame Mittagessen. Die Seniorin kocht immer für meine Lebenspartnerin während ich auf Arbeit bin und sie essen zusammen. Es ist mehr als nur eine Mahlzeit, es ist ein Zeichen ihrer tiefen Verbundenheit und Zuneigung zueinander.
Unsere Geschichte ist ein Beweis dafür, dass Familie nicht nur durch Blutsverwandtschaft definiert wird. Sie wird durch Liebe, Fürsorge und das vertrauliche Teilen von Momenten definiert. Und in unserem Fall wird unsere Familie durch die Aufnahme dieser wunderbaren Seniorin reicher und liebevoller. Wir helfen uns halt und laden uns zueinander ein und fragen nacheinander, man erzählt es auch wenn man was hat.